16. bis 23. Februar in den Monashees

Diese Woche arbeite ich auf der kleinen Bell 407. Christian, mein Namensvetter aus Österreich, und ich sind die beiden Bergführer, die eine kleine, private Gruppe führen werden. Klein ist der richtige Ausdruck, denn es sind nur zwei Skifahrer, die wir zu betreuen haben. Uns steht die ganze Monashee-Welt offen. Wir können fliegen wann und wie wir möchten, zudem werden wir versuchen die entlegeneren Täler aufzusuchen. Das Dilemma ist, dass es nun ganze zwei Wochen nicht mehr geschneit hat und zwischendurch auch kräftiger Nordwind wehte. Die lang anhaltende Eiseskälte hat zwar die obere Schneedecke in lockere Kristalle umgewandelt, aber wir wissen nicht ganz genau, was wir in den Bergen vorfinden werden.

Das Wetter ist wunderschön und so fliegen wir am ersten Tag in den Nagle Creek, ein Tal, das von den großen Gruppen selten aufgesucht wird. Als wir aus dem Hubschrauber schauen, zeigen sich die großen Gletscher nicht besonders freundlich. Es sieht gerade so aus, als ob auch hier der Wind gewütet hat. Irgendwann entscheiden wir uns für eine Landung, doch gleich schon müssen wir feststellen, dass es hier keinen Pulverschnee mehr gibt. Also hinein in die Maschine und weiterfliegen bis in den Talschluss. Dort finden wir eine 900 Meter lange Abfahrt, die noch guten Schnee hat. Nach dem Mittagessen versuchen wir es im bewaldeten Gelände. Große Klassiker wie Bavaria und Desperado, beide mit einem Höhenunterschied von mehr als 1.000 Metern, gibt es am Taleingang von Nagle Creek. Leider waren die letzte Woche schon Skifahrer hier und haben die beiden Klassiker ordentlich durchpflügt. Aber mit zwei Skifahrern ist es ja nicht besonders schwierig, ein Fleckchen Schnee ohne Spuren zu finden und am Abend kehren wir mit über 11.000 gefahrenen Höhenmetern nach Hause.

Am nächsten Tag verlegen wir uns in den Pat Creek, die Sonne strahlt wieder am Himmel und immer noch keine Flocke Schnee in Sicht. Heute fahren wir fast ausschließlich im Wald. Der Schnee oben an der Waldgrenze ist oft windverfrachtet, während wir zwischen den Bäumen immer wieder relativ gute Bedingungen finden – weit entfernt allerdings vom grandiosen Tiefschnee, den wir in den Monashees gewohnt sind. Am nächsten Morgen sieht es dann ganz so aus, als ob doch noch Schnee im Anmarsch wäre. Bei leichtem Schneetreiben und bedeckten Himmel fliegen wir ins Birkental. Birch Creek ist ein kleines Seitental des großen Columbia Valley und wird hauptsächlich von den privaten Gruppen besucht. Dort gibt es sehr lange Waldabfahrten, aber auch schöne, offene Schneisen und breite Rinnen. Am Nachmittag kommt die Sonne durch, geschneit hat es nur einen halben Zentimeter und so fliegen wir noch schnell in die Selkirk Mountains. Diese Gebirgskette breitet sich parallel zu den Monashee Mountains und westlich davon aus. Wir beenden den Tag mit über 12.000 Höhenmetern und in diesem Rhythmus geht die Woche weiter. Wir fahren schnell und viel, müssen uns aber sehr anstrengen, um passable Schneebedingungen zu finden. Langsam wird es auch in einem riesigen Gebiet wie den Monashees eng! Am Ende beschließen wir eine gute Woche, unsere beiden Skifahrer haben die Schneebedingungen so genommen, wie sie waren und waren kein einziges Mal ungehalten. In meiner langen Karriere als Bergführer für CMH habe ich schon oft niederschlagsarme Perioden mitten im Winter erlebt. Ich erinnere mich noch genau an einen Winter, der schon lange zurückliegt, damals hat es acht lange Wochen nicht geschneit. Nun hoffe ich aber doch auf Neuschnee, wenn ich aus meiner freien Woche zurückkomme.

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