Christjan: 2. – 9.3.19 in den Monashees

Als ich von meiner freien Woche zurück in die Monashees komme, ist es immer noch bitter kalt. Die Sonne scheint und der Wind bläst durch das Tal. Die Übung mit dem Verschüttetensuchgerät am Samstag wird zum arktischen Unternehmen. Die Kälte wäre noch annehmbar, aber wir gehen jetzt in die fünfte, schneelose Woche. Es ist nicht das erste Mal, dass wir solch eine „Trockenperiode“ durchlaufen. Ich erinnere mich an eine Saison, in der sowohl der gesamte Januar, als auch der Februar komplett ohne Niederschlag verliefen. 

Diese Woche bin ich wiederum auf der kleinen Bell 407 eingeteilt, die zwei Gruppen zu jeweils fünf Skifahrern in die Berge transportieren wird. Die Gäste sind gute und ausdauernde Skifahrer, es wird unter den gegebenen Bedingungen eine lange, harte Woche für die Bergführer werden. Wir beginnen den Sonntag mit eisigen Temperaturen, minus 25 Grad und strahlendem Sonnenschein. Gleich schon sind wir auf „Schneejagd“. Im letzten Winter lernte ich nur einen Bruchteil unseres Skigebietes kennen. Da es andauernd Neuschnee gab, konnten wir kaum einmal oberhalb der Waldgrenze oder im alpinen Gelände landen. Heuer ist es umgekehrt: Jeden Tag besuchen wir ein anderes Gebiet. Einmal sind wir auf den Gletschern der Selkirk Mountains unterwegs, am nächsten Tage versuchen wir unser Glück in den Monashee Mountains, dann fliegen wir weit hinauf in den Norden bis an die Grenze unseres Gebietes. Da das Wetter so schön und die Sicht uneingeschränkt ist, kann ich mich gut orientieren. Es ist sehr interessant, neue Abfahrten kennenzulernen. Da sich die Lawinengefahr auf der untersten Stufe eingependelt hat, befahren wir Rinnen und Steilhänge, die die letzten zehn Jahre kaum einmal befahren wurden. Vor allem mit den kleinen Gruppen sind die steilen, schmalen Einfahrten möglich, die zu den großen Hängen und breiten Rinnen führen. Oft gibt es Bruchharsch in allen möglichen Facetten oder die Hänge sind durch den ständigen Wind steinhart geblasen. Dann finden wir erstaunlicherweise wieder gutes Skifahren. Wie ein riesiges Puzzle fügen wir die besten Abfahrten zusammen, es ist immer wieder ein neuer Versuch, der gute und böse Überraschungen bereithält.

Die Gäste sind sehr angenehm, die ganze Woche hören wir kein Klagen wegen der Schneebedingungen, zudem fahren alle, was das Zeug hält. Am Abend kommen wir zumeist mit 10.000 Höhenmetern nach Hause, oft fahren wir bis zu 19 Abfahrten. Das heißt für die Bergführer fast vierzig Mal die Skier laden, dazwischen nonstop Abfahrten im Bruchharsch. Trotz der außergewöhnlichen Bedingungen beschließen wir die Woche mit 60.000 gefahrenen Höhenmetern und zufriedenen Gästen, die sich vorgenommen haben, im nächsten Winter wiederzukommen. Schlussendlich war die Woche ein Erfolg, mit wunderbarem Wetter, interessanten Abfahrten und ab der Wochenmitte mit angenehmen Temperaturen. Wieder einmal hat sich gezeigt, dass mit der richtigen Einstellung auch schwierige Bedingungen mit Freude und Spaß gemeistert werden können!

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