ALASKA: POW(D)ERGIRLS IM GLÜCK

Frauen sind beim Heliskiing in der Regel in krasser Unterzahl. Die wenigen Girls dürfen sich der Aufmerksamkeit und der Bewunderung der männlichen Skifahrer sicher sein – schließlich geht es um Tiefschnee-Technik und einen Schuss Abenteuerlust. In Alaska gibt es von beidem reichlich!

Skifahren in Alaska – bei den meisten Menschen löst allein der Gedanke daran Frostbeulen-Panik aus. Eingeweihte aber wissen: Der größte und nördlichste US-Bundesstaat ist ein weißes Universum mit abertausenden Gipfeln und ebenso vielen Verlockungen für Powder-Freaks.

Mit meiner Freundin Karin habe ich mich auf den weiten Weg in das „große weiße Land“ gemacht, wie Alaska in der Sprache der Ureinwohner heißt, fünfmal so groß wie Deutschland, aber mit nur 700.000 Einwohnern. Obwohl wir von dem langen Flug ziemlich geschlaucht sind, versetzt uns die einstündige Fahrt auf dem Seward Highway vom Flughafen Anchorage zu unserem Zielort Girdwood in Entzücken. Die Abendsonne lässt den Turnagain-Meeresarm golden funkeln, in dem sich die gegenüber liegenden Berggipfel spiegeln.

Das Herz droht vor Aufregung und Vorfreude zu zerspringen, als wir tags darauf mit dem Helikopter abheben. Zuvor haben wir eine ausführliche Sicherheitseinweisung absolviert. Das ist wichtig, denn wir sind die nächsten Tage in der unberührten Bergeinsamkeit unterwegs. Die Regeln beim Ein- und Aussteigen und die Kommandos der Guides müssen bedingungslos befolgt werden, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

Und los geht es. In einem Helikopter vom Typ A-Star 350 B2 Ecureuil haben neben dem Pilot vier Skifahrer und der Guide Platz. Im Nu haben wir das Städtchen Girdwood unter uns gelassen und befinden uns in der weißen Bergeinsamkeit. Wenige Minuten später landen wir auf einem kleinen Plateau. Einer nach dem anderen hüpft aus dem Heli, wir kauern ein paar Meter entfernt zusammen und schützen unser Gesicht vor dem aufwirbelnden Schnee, während der Guide die Ski auslädt. Dann hebt der Helikopter ab und macht einer herrlichen, absoluten Stille Platz.

Unser Blick schweift über das Meer von weißen Gipfeln. Doch wir sind nicht zum Sightseeing hier. Ski nebeneinander gelegt, mit den Skistöcken den Schnee von den Schuhsohlen geklopft und, klack-klack, rein in die Bindung. „Lefthand side of my track!“, ruft unser Guide Dave und katapultiert sich in den Hang. Wir folgen, jeder im Abstand von zehn Schwüngen. Es ist wie ein Rausch. Nach ein paar Aufwärmschwüngen stellt sich der Rhythmus ein. Der Hang will kein Ende nehmen. Soll kein Ende nehmen. Doch dann sind wir doch froh, als Dave abschwingt und in unsere begeisterten Gesichter blickt.

Schon hören wir von der Ferne den Helikopter heranknattern, kurz darauf werden wir wieder nach oben geliftet. Entgegen allen Vorurteilen will an diesen späten Märztagen hier in Alaska die Sonne schier nicht untergehen. Und so scheint sie uns immer noch mit Vollgas ins Gesicht, als wir kurz nach 19 Uhr von einem Gipfel zur letzten Abfahrt des Tages starten.

Kein Wunder, dass noch zwei Tage verstreichen, bis wir unsere Umge- bung näher erkunden. Girdwood liegt am Fuße des Mount Alyeska, des größten Skigebiets Alaskas. Die anspruchsvollen Pisten dienen Heliskiern auch als Ersatz, wenn aus witterungsbedingten Gründen nicht geflogen werden kann.

In den vielen Kneipen bekommen wir schnell Kontakt zu den Einheimischen, alles lässige, coole Typen, die sich wenig um Äußerlichkeiten scheren und die unkonventionellen Freiheiten dieses großen Pionierstaates irgendwie verinnerlicht zu haben scheinen. Dass wir den weiten Weg aus Europa auf uns genommen haben, rechnen sie uns hoch an und belohnen dieses Engagement mit so mancher Runde Bier – Alaskan Amber, bald auch unsere bevorzugte Marke.

Doch früh ruft das Bett – schließlich wollen wir die kostbaren Skitage nicht durch selbstverschuldete Schlappheit ruinieren. Auch nach Tagen hat die Faszination nicht nachgelassen. Wenn uns der Helikopter über einen Gipfelkamm trägt und den Blick auf die verschlungenen Meeresbuchten des Prince William Sound freigibt, kann ich nur noch „Wow“ stammeln. Und wenn ich im federleichten Powder auf das Meer zu schwebe, empfinde ich nichts als pures Glück.

Ein letztes Dinner im Seven Glacier Restaurant an der Mount-Alyeska-Gipfelstation. Während die Männer bei Champagner und Appetizers eifrig Höhenmeter-Statistik betreiben, lassen Karin und ich Zahlen Zahlen
sein und genießen lieber den Blick auf sieben Gletscher und den in der Abendsonne funkelnden Turnagain-Meeresarm. In einem sind wir uns alle einig: Hier in Alaska ist ein Traum in Erfüllung gegangen.

Bericht:

Brigitte von Imhoff