Gemeinsam bis zum MILLION MAN

Zwei Jahre lang haben wir überlegt, diskutiert und schließlich auch unsere Familien überzeugt, den Traum von einer Heliski-Reise zu verwirklichen. Lange zuvor hatte ich mit Günther einen Freund der Piste gewonnen, mit dem ich viele Erlebnisse auf Skiern und dann später auch im privaten Bereich erleben konnte.


1995 – Bobbie Burns, unsere erste Heliski-Reise

Die Erlebnisse und Eindrücke bei diesem ersten Mal sind immer noch hautnah zu spüren: Der erste Run – Mouse Maddow – feucht-neblig, keine Sicht und schwerer Schnee, das war unser Einstieg! Die Woche verlief durchwachsen, teilweise mussten wir abbrechen da der „Schneezement“ einfach nicht mehr befahrbar war. Wir hatten unsere Koffer am Freitagabend bereits gepackt , da wir beschlossen hatten, am Samstagmorgen, unserem Abreisetag, nicht mehr Skizulaufen. 

Als wir ins Bett gingen, fing es zu schneien an, wie wir es noch nicht gesehen hatten! Am Morgen waren ca. 50–60 cm Neuschnee gefallen und die Temperaturen waren gesunken, sodass wir beschlossen: Die Klamotten kommen wieder aus dem Koffer! Nun erwartete uns ein Erlebnis der besonderen Art: Glitzernder Pulverschnee, den man wegpusten konnte und strahlender Sonnenschein auf den Runs – zum ersten Mal konnten wir unsere Tracks richtig bewundern! Was nun folgte, war gigantisch. Wir konnten nicht aufhören zu fahren, bis uns der Guide beinahe zwingen musste, in die Lodge zu fliegen, damit wir unseren Bus noch erreichen konnten. Hier haben Günther und ich uns versprochen: Da müssen wir wieder hin – und zwar immer nur gemeinsam! Das Fieber hatte uns gepackt, und die nächste Lodge war bereits ins Auge gefasst.

1996–1998 Galenas und Revelstoke

Bei der Galenas-Reise hatten wir einen neuen Skifreund überredet mitzukommen. Beim ersten Run zeigte sich allerdings, dass dies nicht seine Welt seines Skifahrens ist. Fortan hatte er die Lodge im Griff, schürte Saunen bis auf 100 Grad und hatte dazu einen Aufguss mit einer bayerischen Schnapstinktur vorbereitet. In diesem steilen Gebiet mussten wir lernen über die eisigen Felsen teilweise zu springen und hatten auch hier wieder getreu unserem Motto „Jeder Höhenmeter zu zweit“ eine Riesenfreude beim Fahren – ebenso wie in Revelstoke zwei Jahre später.


2000 – die Adamants

Wir hatten von der wunderschönen Lodge gehört, und dass diese von einem österreichischen Guide geleitet würde. Bei der Reise in die Adamants hatten wir eine Filmausrüstung dabei, denn wir wollten bewegte Bilder mit nach Hause bringen. Dabei hatte der Lodgeleiter Erich (ich glaube so hieß er) mitbekommen, wie wir uns abmühten, gute Bilder einzufangen. 

Am Abend kam er plötzlich an unserem Tisch und meinte, wir wären so eine lustige Truppe und sollten eine Gruppe von amerikanischen Gästen etwas aufmuntern. Eine der Damen hätte Geburtstag, und sie hatte sich etwas Besonderes gewünscht – uns würde da sicherlich etwas einfallen! Als Gegenleistung bot er an, uns zu filmen, denn er habe bei Willi Bogner früher im Filmteam mitgearbeitet.

Gesagt getan, wir haben dann ein solches rauschendes Fest mit Bierzeltliedern und Tischtänzen veranstaltet, dass die anfänglich prüden amerikanischen Skifreunde zu wahren Begeisterungsstürmen hingerissen wurden. Und auch die Filmergebnisse wurden ein Erfolg. 


2002 – die Cariboos

Hier wurde nun zum ersten Mal erkennbar, dass wir den Million Man (also die Auszeichnung für 1 Million erreichte Höhenmeter) gemeinsam erreichen könnten. Der Ansporn war nicht nur dieser Meilenstein an sich, sondern auch das begehrte Outfit, das jeder Million Man bekam. 

Ein Erlebnis der besonderen Art war bei dieser Reise ein Hubschrauberausfall bei  minus 32 Grad – und die schnelle Einsatzbereitschaft bei CMH. Somit mussten wir die Nacht nicht im Freien verbringen. Die Hubschrauber aus den Nachbarlodges sorgten für den notwendigen Rücktransport. Ein Nachteinsatz des Piloten machte die Helis für den nächsten Morgen wieder startklar. So etwas nennt man Einsatz und Bereitschaft! So hatten wir auch in den Cariboos eine rundum tolle Skiwoche mit enormen Höhenmetern.


2004/2005 – nochmal Bobbie Burns

Unser Trainingsleiter beneidete uns jedes Jahr bei unseren wöchentlichen Skitrainings, und wollte unbedingt einmal bei uns mit aufspringen. Aufgrund seiner begrenzten Zeit konnten wir nur über Silvester und Neujahr buchen – und so kam es, dass wir die Bobbie Burns Lodge zum zweiten Mal aufsuchten. Neben einem Silvester auf Skiern, tollen Flügen und Skistürzen mit anschließend steil nach oben gebogenen Skiern (so etwas hatte der Guide noch nie gesehen!) hatten Günther und ich eine rundum gelungene Woche. 

Günther ist übrigens Allgemeinarzt  und hat bei jeder Reise alle notwendigen Arzneien sowie Verbandszeug, Spritzen usw. dabei. Tatsächlich mussten wir während unserer Skireisen mit CMH mehrere Male das Besteck auspacken! Und nachdem ich nahezu immer anwesend war, bekam ich die Ausbildung zur Nurse! 


2008 – Finale in den Monashees

Nun war es soweit: Wir wussten, die Million Höhenmeter ist zu schaffen! Die Monashees hatte man uns schon lange empfohlen. Mittlerweile war mein Sohn Stefan als Snowboarder mit an Bord. Witterung und die Schneeverhältnisse zeigten sich nicht optimal, wir konnten nur bedingt fliegen. Einen Tag konnten wir überhaupt nicht starten – und unser Traum entschwand immer mehr aus dem Horizont. Dann plötzlich: Alarm in der Lodge! Stromausfall und Trinkwassermangel! Beides zwang uns dazu, die Lodge für die Körperpflege mit Bussen zu verlassen. Die Stimmung war am Tiefpunkt. Nur mein Sohn fand alles irre – er wusste ja nicht wie schön es eigentlich sein kann!

Der letzte Tag war gekommen, und uns beiden fehlten nur noch wenige hundert Höhenmeter! Die Koffer waren gepackt, denn heute war unser Abreisetag! Der Schnee war gut, die Lawinengefahr herabgesetzt, das Wetter durchwachsen. Der Guide wusste um unser Ansinnen, und wir flogen und flogen. In der letzten Minute beim letzten Run war es dann geschafft – wir hatten den Million Man noch erreicht! Nun wälzten wir uns im Schnee – ein Versprechen, das wir uns beim ersten Aufenthalt gegeben hatten.

Der Anzug wurde uns übrigens per Post nachgesendet.

 

Dieter Federlein