Mit Lawinen leben

Auf dem Flug nach Kanada 2014 hatte ich kein Auge zugemacht. Bei der Fahrt mit Bus zum Pickup-Platz, kam schon das erste Kribbeln im Bauch. Als der erste Heli landete, wurde es intensiver. Und beim ersten Flug zu Lodge in den Bobbie Burns hatte ich keine Schmetterlinge im Bauch – es war schon eher ein Hummelschwarm.

Die ersten Abfahrten – ein Traum! Die Aufregung legte sich. 60 Zentimeter Neuschnee, unberührte Pisten, ich war total begeistert. Am dritten Tag ging Michael (der uns mit Jens Erben für das Abenteuer gewinnen konnte) und Matthias mittags die Luft aus; sie flogen zurück zur Lodge. Christian und ich versuchten immer als Zweite hinter den Guide zu kommen. Beim ersten Run war ich tatsächlich Zweiter, beim zweiten Run verlor ich meinen linken Skistock und dann beim Anschieben kurz darauf den rechten Skistock. Da dachte ich "Shit, jetzt bist du Letzter".

Als ich zur Einfahrt in den Steilhang kam, winkte man mir schon mit dem Funkgerät. Wir stellten die Funkgeräte von "Senden" auf "Suchen" um und rutschten langsam am Rand hinunter: In der Hangmitte war eine Lawine abgegangen. Christian steckte bis zum Hals fest, jedoch war er gleich wieder frei geschaufelt. Nur unser Guide, ich glaube er hieß Kurt, war nicht zu sehen. Als wir sein Signal lokalisiert hatten, fingen wir an zu graben. Es dauerte keine zwei Minuten, da war der erste Heli da. Nach ca. fünf Minuten legten wir vorsichtig sein Gesicht frei, dann fiel sein rechter Arm herunter und seine Gesichtsfarbe war leicht grau. Zwei Minuten später stand er neben uns, als wäre nichts passiert.

Wenn ich heute daran denke, steigt mir immer noch das Wasser in die Augen. Am Abend habe ich mit einem Schreinermeister aus Frankfurt eine Flasche "Oban" Whisky getrunken. Denn wir hatten total Glück. Zwei Tage später, beim Clubabend, habe ich mit Jens Erben in der Küche auf einem Stahltisch getanzt. Da waren viele sehr besorgt, aber wir hatten es halt drauf ... 

Dieser Urlaub hat uns so gut gefallen, dass die gleiche Truppe 2017 die Bugaboo Lodge ausprobierte. Samstag und Sonntag  zur Eingewöhnung, in der Nacht auf Montag fielen dann 60 Zentimeter Neuschnee – und die ganze Woche herrschte strahlender Sonnenschein. Und wie auch beim ersten Mal: super Guides, super Personal. Vom Essen brauchen wir nicht zu reden, jeden Abend ein neues Highlight. Wir hatten diesmal zur Verstärkung der Truppe einen „Quietscher dabei“: 25 Jahre jung und als Jugendlicher im DSV Kader. Ich habe ihn Känguru genannt, denn er sprang durch die Piste wie eine Bergziege. Diesmal waren außer uns nur zwei Schweizer deutschsprachig, sonst war unsere Gruppe international besetzt mit Australiern, Skandinaviern und Engländern. 

Als ich am dritten Tag nach einem spektakulären Sturz einen Engländer ausgebuddelt hatte, war abends an der Bar die Hölle los. "German come on" war der Ruf. Meine letzten Höhenmeter hab ich am Abschlussabend gemacht – als ich vom Barhocker fiel ...

Euer Essen, das Personal.... einfach alle(s) top. Wünschte mir nur für das nächste Mal einen Meter Neuschnee, bei 15 bis 20 Grad.

Erich Bauer

 


Anmerkung von AEROSKI:

Wir Freerider wissen: Was Lawinen betrifft, so gibt es immer ein gewisses Restriskio. Doch wir tun alles, damit AEROSKI-Gäste stets ein erstklassiges und vor allem sicheres Ski- oder Snowboardabenteuer abseits der Piste erleben.