ISLAND

Skiabenteuer im Land aus Feuer und Eis

Nur wenige Flugstunden entfernt – quasi auf dem halben Weg nach Kanada – eröffnet sich der Zauber einer nahezu unberührten und grenzenlosen Natur in strahlendem Weiß. Eine arktische Traumlandschaft wie aus dem Bilderbuch. Pepi Erben, der Gründer von AEROSKI und Pionier der organisierten Skireisen mit dem Flugzeug in Europa, hat Jahrzehnte nach seinem ersten Besuch Island, der sagenumwobenen Insel im rauen Atlantik, jetzt wieder einen Besuch abgestattet und neue Eindrücke gesammelt.

Herr Erben, wann waren Sie zum ersten Mal auf Island?

Das ist wirklich schon eine Weile her – fast ein ganzes Leben! Es war 1951, als mich der Deutsche Skiverband nach Island geschickt hat, um die alpine Skielite für die olympischen Winterspiele in Oslo zu trainieren. Und es sollten 63 Jahre vergehen, bis ich diese faszinierende, von Wikingern entdeckte „Insel aus Feuer und Eis“ erneut betreten würde.

Was war denn diesmal der Anlass?

Mein Sohn Veit hatte die Idee. Er hat mich im Rahmen einer AEROSKI-Reise zum Heliskiing eingeladen und brauchte mich natürlich nicht lange zu bitten. Die Vorstellung, Island endlich einmal wiederzusehen, rief Erinnerungen in mir wach.

Welche denn?

Nun, zunächst einmal natürlich an die Reise: Brauchte die viermotorige Skymaster in den fünfziger Jahren gute sieben Stunden von Kopenhagen bis Reykjavik, schaffte unser Jet den Direktflug von Frankfurt jetzt in der Hälfte der Zeit. Zwar fühlte sich damals der Weiterflug nach Akureyri in der robusten Catalyna gemütlicher an, dafür legte der moderne Amphibienhopper eine perfekte Wasserlandung hin. Da habe ich sämtliche nostalgischen Anwandlungen ganz schnell über Bord geworfen und einfach das Erlebnis, das die neuzeitliche Technik beschert, genossen.

Und wo haben Sie diesmal gewohnt?

Äußerst komfortabel und gemütlich. Kein Vergleich zu unseren spartanischen Unterkünften von damals. Nach einer knappen Autostunde, vorbei an dunklen Lavafeldern und Farmen voller Islandponys, Kühen und Schafen, tauchte auf einer einsamen Anhöhe die Lodge von Arctic Heliskiing auf.

Wir Neuankömmlinge wurden zu unseren behaglich ausgestatteten Zimmern begleitet und beim gemeinsamen Abendessen vom Lodge-Manager Jökull Bergmann und seinen freundlichen Mitarbeitern herzlich begrüßt. Am nächsten Morgen, die Sonne strahlte schon wieder – oder immer noch – winterlich am Horizont, war Gymnastik, Frühstück und Lawinenkunde angesagt, danach Abflug mit den vom Veranstalter gestellten Tiefschneeskiern. Das Logo „air greenland“ auf den zwei A-Star-Helikoptern ließ erkennen, dass die Fluggesellschaft ihren Sitz im nur 300 Kilometer entfernten Grönland hat.

Jetzt ging es also ab in die Weiten der isländischen Natur. Haben Sie Neues entdeckt?

In meiner Erinnerung sehe ich immer noch die glatten Steilhänge um Akureyri herum vor meinem geistigen Auge. Deshalb haben mich jetzt die variantenreichen Berge am Eingang des Eyjafjördurs überrascht, die in ihrer Struktur der Columbiakette in den kanadischen Rocky Mountains sehr ähneln. Und auch das schwerelose Schwingen auf den breiten Gletschern und langgestreckten Hängen war durchaus vergleichbar.

Kanadischer Skigenuss in Europa? Das klingt ja fast zu schön, um wahr zu sein ...

Natürlich habe ich mich auch gefragt, ob mir vielleicht auf Island etwas fehlt – doch da kann ich nur ehrlich sagen: ganz sicher nicht. Denn selbst das aufregende Tree- Skiing, was mangels Baumbestand eben nicht machbar ist, habe ich aufgrund der vielen anderen Möglichkeiten überhaupt nicht vermisst.

Und was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?

Es war einfach pure Lust, hinter den Guides herzufahren, wenn sie auf den spektakulären Runs zwischen 1.000 und 1.200 Höhenmetern zum Pickup am tiefblauen Nordmeer hinunterwedelten, wo die norwegischen Piloten schon auf die Vierergruppen warteten. Leider war meine Kondition nicht mehr so gut wie früher – ich bin ja keine 70 mehr – um sämtliche 15 Abfahrten durchzuhalten. Darum habe ich mich nach der Halbzeit für eine der Skitouren entschieden, die ja auch im abwechslungsreichen Programm standen. Und anschließend für einen wohlverdienten Saunagang. Damit und einem weiteren kulinarischen Glanzlicht habe ich meinen perfekten Skitag entspannt ausklingen lassen.

Ihr Fazit?

Alles in allem ist das Heliskiing auf lsland eine wundervolle Variante zu seinem kanadischen Vorbild und all den anderen Pulver- und Firnschneeaktivitäten auf unserem Planeten. Die steigenden Gästezahlen aus Europa und Amerika beweisen es. Und ganz sicher werde ich nicht mehr so lange Zeit vergehen lassen, bis ich Island wieder einmal einen Besuch abstatte, denn es waren unvergessliche Tage, ein echter arktischer Traum.