Ein Tiefschneetraum in letzter Minute

Es war vor etlichen Jahren, ich glaube im Winter 2002/2003, als wir abends zu dritt zu einem 4-Tages-Kurztrip nach Warth/Schröcken am Vorarlberg sausten. Es war Schneefall gemeldet. Die Unterkunft lag unterhalb des Hochtannbergpasses im Nichts. Und der Wetterbericht hatte ausnahmsweise absolut Recht: Am Morgen war der Schnee da, dickste Flocken, locker 50 cm über Nacht, die Straße nicht mehr erkennbar – und wegen einer Lawine gesperrt! Kein Weg ins Skigebiet. 

Der Schneefall wurde zum Schneesturm, er hörte nicht auf und das drei Tage lang! Alles war dicht, nichts ging. Der Hüttenwirt ließ Essensvorräte von einem Schneemobil bringen. So saßen wir Drei in der Unterkunft fest, umgeben von mehreren Metern frischem Powder, und konnten nichts, aber auch gar nicht damit anfangen! Alle Straßen dicht, die Passstraße erst recht, keine Chance.

Am vierten Tag, Montag, unser Kurzurlaub war vorüber, wurde am späten Vormittag endlich die Straße geräumt. Aber noch immer herrschte Schneetreiben und extremer Wind. Was tun? Schnell Richtung Bregenz, solange es noch ging? Wir fuhren die Passtrasse hoch bis zur ersten Liftstation – damals der Saloberlift. Der war wegen des starken Windes natürlich geschlossen. Frustriert tranken wir einen heißen Kaffee mit den vier oder fünf anderen unerschrockenen Gestalten, die es auch nach oben versucht hatten. 

Was wir da noch nicht wussten: Direkt nach uns war wieder ein Schneebrett über die Passstraße nach oben gegangen. Wir konnten also auch nicht mehr zurück. Jetzt war der Urlaub wirklich gelaufen: Montag, später Vormittag, wir waren endlich am Berg, um uns 4 Meter Neuschnee-Powder. Der Lift steht, die Straße dicht: Hoffentlich kamen wir überhaupt noch irgendwie vor Dienstag früh um 7 Uhr zurück!

Dann aber, gefühlt innerhalb von einer halben Stunde, hörte der Wind auf. Am Himmel erschien ein erster blauer Fleck und: Der Lift wurde angeschaltet!

Nun wurde der Alptraum zum Traum: Durch die gesperrte Straße waren wir die nächsten Stunden praktisch alleine auf dieser Seite des Skigebietes. Überall meterweise Powder, selbst auf den Pisten war schon wieder fast ein halber Meter und daneben der absolute Traumschnee! Und natürlich war aus dem blauen Fleck ein strahlend blauer Winterhimmel geworden.

So bekamen wir zu guter Letzt den traumhaftesten Tiefschneetag, den wir jemals hatten. Und die Tage danach den fiesesten Muskelkater in den Oberschenkeln ... Ich glaube nicht, dass so viele so unberührte Abfahrten in metertiefem Pulverschnee sonst jemals ohne Heli möglich gewesen wären. Das war definitiv mein bestes Tiefschnee-Erlebnis!

Dieter Becker